Sad and frightened little girl with bloodshot, bruised eyes and false smile on her mouth. Concept of child violence, domestic abuse. Depressed being victim of parents. Illusion of happy childhood.

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Schule ohne Mobbing – Utopie oder Inspiration?

Die Perspektive eines systemischen Wandels

Die meisten Menschen denken, dass eine Schule ohne Mobbing nicht möglich ist. Es scheint unvorstellbar, weil oft gesagt wird, dass es in der Natur des Menschen liege, andere auszugrenzen und dominant zu sein. Was aber passiert, wenn man die Möglichkeit einer mobbingfreien Schule von vornherein ausschließt? Kreative Möglichkeiten, Mobbing systematisch zu verbannen, finden keinen Eingang mehr in den Diskurs oder werden lediglich belächelt. Folglich wird nicht gefragt was möglich wäre, sondern nur was das aktuelle System hergibt. Aber ist es nicht unsere Aufgabe, mit Kreativität und offenem Geist in die Zukunft zu schauen, anstatt stets nur zu reagieren?

Schüler*innen und Lehrer*innen – zwei Seiten derselben Medaille

Die Antwort darauf, was das Schulsystem hergibt, ist häufig ernüchternd. Viele Schulen veranstalten einen Aktionstag und wollen das Problem Mobbing damit gelöst haben. Nachhaltig ist das nicht. Schulen, die sich stärker engagieren, haben in ihrer Lehrer*innenschaft Mobbinginterventionsteams (MIT) geschult und eingeführt. Dieser Ansatz ist bedeutend wirkungsvoller, hat sich aber noch nicht in der breiten Masse etabliert. Damit der Erfolg der MITs in Form eines „Bottom-Up Approaches“ schneller ins System zurückwirkt und sich dort institutionell verankert, unterstützt GEGEMO durch Weiterbildungen und Coachings Lehrerkollegien, die diesen Ansatz verfolgen.

Mobbing – ein systemimmanentes Problem

Ein Problem ist, dass Schüler*innen danach verlangen, die Wirkung des eigenen Handelns zu spüren. Dies wird jedoch durch den Rahmen Schule, welcher wenig Mitsprachemöglichkeiten bietet, selten ermöglicht. Der einfachste Weg, trotzdem die Wirksamkeit des eigenen Handelns zu erfahren, ist Mobbing. Es mag zunächst zu simpel klingen, jedoch mobben Schüler*innen oft alleine deshalb, um gesehen und gehört zu werden. Sie streben danach, ihren Worten in der Klassendynamik Gewicht zu verleihen. Die Unterdrückung und Ausgrenzung anderer ermöglicht das. Meistens suchen sich die Täter*innen dafür Menschen aus, die unsicher sind und/ oder wenige bzw. keine Freund*innen haben. Bis sich solche Rollen wieder auflösen, können Monate oder sogar Jahre vergehen. Der Leidensdruck der Betroffenen ist dabei meistens enorm.

Ein zweites Problem liegt im Lehramtsstudium begründet. Dort werden die Kompetenzen, um die oben erwähnte Dynamik zu entkräften oder gar auszuhebeln, nicht oder nur unvollständig vermittelt. Es ist wichtig anzuerkennen, dass dies nicht das Verschulden einzelner (ignoranter) Lehrer*innen ist, sondern die Lehrinstitutionen sie oft nur mangelhaft auf die Lehrwirklichkeit an deutschen Schulen vorbereiten. Beide Probleme sind eng miteinander verwoben und es bleiben hauptsächlich zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren. Entweder wartet man darauf, dass sich Kultusministerien und Universitäten neu aufstellen, um den Problemen angemessen zu begegnen. Oder man wählt den schnelleren und wahrscheinlich auch effektiveren Weg – selber handeln.

Wie wir Mobbing aktiv entgegenwirken können

Schulen und motivierte Lehrer*innen müssen also aktiv werden, um Mobbing aufzulösen. GEGEMO unterstützt dabei durch die Vermittlung von Kompetenzen zu Mobbingprävention und -intervention und hilft den Schulen so langfristig und nachhaltig. Im Sinne einer Hilfe zur Selbsthilfe werden Lehrer*innen zu kompetenten und wachsamen Ansprechpartner*innen für das Thema Mobbing und können so auch Schüler*innen unterstützen. Mobbingkonflikte können mit dem von GEGEMO entwickelten Eskalationsstufensystem frühzeitig erkannt und entschärft werden, bevor sie das Klassenklima vergiften. So gestärkt können Lehrer*innen mit relativ simplen Präventions- und Interventionsmaßnahmen ressourcenschonend Mobbing vorbeugen und dadurch im Endeffekt wieder mit mehr Freude unterrichten. Als Kooperationspartner begleitet GEGEMO Schulen bei der Umsetzung einer möglichst mobbingfreien Schule auch in Form eines ganzheitlichen Ansatzes. GEGEMO verfolgt eine Philosophie, die an bestehenden Methoden wie dem „No-Blame-Approach“ ansetzen.

Praxis, die inspiriert

Ein Beispiel für die Wirksamkeit solcher Maßnahmen ist der in Finnland verfolgte KiVa-Ansatz. Staatlich finanzierte KiVa-Teams sind an den Schulen aktiv und beschäftigen sich ausschließlich mit Mobbing. Dementsprechend wird dort den zuvor erwähnten Problemen in systemischer Art und Weise Rechnung getragen, sodass es gelungen ist, Mobbingfälle an Schulen um bis zu 80% zu reduzieren. Momentan wird Mobbing in Deutschland größtenteils aus privater Eigeninitiative bekämpft, so auch von GEGEMO. Damit sich die Ansätze deutschlandweit etablieren können, brauchen wir dich!

Gemeinsam kann es uns gelingen, Mobbing an Schulen nachhaltig einzudämmen und das System auf einen neuen Pfad zu bringen. Wir können es schaffen, alternative Ansätze zu verbreiten und die Betroffenen gleichzeitig ernst zu nehmen, sodass nicht mehr das Problem, sondern die Lösung im System verankert ist. Lass uns jetzt zusammen handeln und den künftigen Generationen eine noch sicherere, vielleicht sogar mobbingfreie Zukunft gestalten!

Über den Autor

Lukas David arbeitet in der Öffentlichkeitsarbeit für GEGEMO. GEGEMO ist ein Projekt, welches an der Leuphana Universität Lüneburg gegründet wurde und sich an Schulen gegen Mobbing einsetzt. Die Initiative bietet seit zwei Jahren Workshops, Fortbildungen und Coachings rund um diesen Themenbereich an. Ihr Ziel ist es, Mobbing sowohl methodisch als auch systemisch zu bekämpfen und das Bildungssystem dahingehend langfristig zu verändern.

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